Der Ablass im heiligen jahr der barmherzigkeit


Download
Der Ablass im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit - Hirtenbrief von Diözesanbischof Vitus Huonder
Der Ablass.pdf
Adobe Acrobat Dokument 170.6 KB
Download
L‘indulgenza nell’Anno Santo della Misericordia
L'indulgenza.pdf
Adobe Acrobat Dokument 165.4 KB

Falzflyer "Wie gewinne ich einen Ablass?"

Interessierte Pfarreien, Gruppen oder Einzelpersonen, die während des Heiligen Jahres ein Wallfahrt nach Chur planen, können gratis einen Falzflyer im Format A7 (6-seitig) zum Thema "Wie gewinne ich einen Ablass" beziehen.

Bestellungen unter Angabe der gewünschten Stückzahl und der genauen Lieferadresse per Mail an: Bischöfliche Kanzlei, Hof 19, 7000 Chur

Der Ablass

im Heiligen Jahr

der Barmherzigkeit

 

 

von

Msgr. Dr. Vitus Huonder

Bischof von Chur

 

  

  

8. Dezember 2015

 


 


I. Was ist der Ablass?

 

In seiner Verkündigungsbulle des außerordentlichen Jubiläums der Barmherzigkeit, Misericordiae Vultus schreibt Papst Franziskus: "Ein Jubiläum bringt es mit sich, dass wir auch auf den Ablass Bezug nehmen. Dieser gewinnt besondere Bedeutung im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit" (22). Dieser Hinweis veranlasst uns zur Frage: Was ist der Ablass? Darauf gibt uns der Katechismus der Katholischen Kirche die Antwort: "Durch die Ablässe können die Gläubigen für sich selbst und auch für die Seelen im Läuterungszustand den Erlass der zeitlichen Strafen erlangen, welche Folge der Sünden sind" (KKK 1498). Verstehen wir diese Aus­sage? Wer sich schon mit dem Ablass auseinandergesetzt hat, wahrscheinlich schon; wer sich aber mit theologischen Definitionen schwer tut, wird auf die Frage zurückkommen: Was ist der Ablass?

       Der Heilige Vater selber gibt dazu folgende Erklärung: "Tro­tz der Vergebung ist unser Leben geprägt von Widersprüchen, die die Folgen unserer Sünden sind. Im Sakrament der Versöhnung vergibt Gott die Sünden, die damit wirklich ausgelöscht sind. Und trotzdem bleiben die negativen Spuren, die diese in unserem Verhalten und in unserem Denken hinterlassen haben. Die Barmherzigkeit Gottes ist aber auch stärker als diese. Sie wird zum Ablass, den der Vater durch die Kirche, die Braut Christi, dem Sünder, dem vergeben wurde, schenkt und der ihn von allen Konsequenzen der Sünde befreit, so dass er wieder neu aus Liebe handeln kann und vielmehr in der Liebe wächst, als erneut in die Sünde zu fallen" (Misericordiae Vultus 22). Durch diese Aussage angeregt, gehen wir der Frage des Ablasses weiter nach. 

 

Zu einem neuen Leben berufen

Um den Ablass zu verstehen, müssen wir von der heiligen Taufe ausgehen. Durch die heilige Taufe haben wir das göttliche Leben empfangen, ein Leben frei von Sünden. Der Glaube lehrt uns: Die heilige Taufe bewirkt die Vergebung der Erbsünde und aller persönlichen Sünden (vgl. KKK 1279). Der heilige Paulus lehrt im Bezug auf die Taufe: "Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben" (Röm 6,6). Das bedeutet: Durch die Taufe sind wir zu einem heiligen Leben berufen. Wir sollen nicht Sklaven der Sünde bleiben. Vielmehr gilt: "So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus" (Röm 6,11). 

 

Von der Wirklichkeit eingeholt

Die Wirklichkeit zeigt aber, dass wir auch als Getaufte immer wieder in Sünde fallen. Kaum jemand ist so stark, dass er ständig in jener Heiligkeit lebt, welche ihm durch das Sakrament der heiligen Taufe geschenkt wurde. Der Herr selber, der das Herz des Menschen kennt, überlässt uns aber nicht unseren Schwächen und Fehlern. Durch das Sakrament der Buße hat er uns das Heilmittel geschenkt. So gibt er seinen Jüngern den Auftrag, Sünden zu beurteilen und von Sünden loszusprechen: "Emp­fangt den Heiligen Geis­t! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22-23).

 

Zur ständigen Umkehr aufgefordert

Die heilige Beichte schenkt uns die Vergebung der Sünden. "Im Sakrament der Versöhnung vergibt Gott die Sünden, die damit wirklich ausgelöscht sind", lesen wir in Misericordiae Vultus 22. Doch die Tatsache, dass die Sünde unser Leben immer noch beeinflusst, und dass wir schuldig werden, soll für uns ein ständiger Ansporn zur Bekehrung sein. Gemeint ist Bekehrung nicht nur in dem Sinn, dass wir unsere Sünden bekennen, sondern auch im Sinne eines aufrichtigen Schmerzes über unser Versagen, über die Tatsache, dass wir durch unsere­ Schu­ld dem Geschenk der Taufe nicht gerecht geworden sind und den Herrn auf diese Weise betrübt haben. Die sogenannte Buße (Genugtuung), welche uns vom Beichtvater aufgegeben wird, hat das Ziel, begangenes Unrecht in Ordnung zu bringen, uns zur Bereitschaft zur Sühne zu bewegen und uns bei der Abkehr von der Sünde zu unterstützen. Sie lässt uns spüren, dass wir die Sünde nicht auf die leich­te Schulter nehmen dürfen, und dass eben, wie es im Evangelium heißt, der letzte Rappen zu bezahlen ist (Vgl. Mt 5,26; 18,23-35).

 

 

Vom Schmerz der Trennung erfüllt

Der Mensch muss sich auch bewusst werden, dass die Sünde von Gott trennt und dass der Weg zurück in sich be­schwerlich ist (vgl. Hebr 6,4-6). Die Sünde kann Folgen haben, die wir durch das Schuldbekenntnis und die Absolution nicht einfach wegstecken können. Die Kirche hat dies zu gewissen Zeiten dadurch unterstrichen, dass sie für schwere Sünden oft lange Zeiten der Buße verlangte. Ja, die Gläubigen haben solche Zeiten und Werke der Buße und der Besinnung auch gerne auf sich genommen, weil sie darin eine Hilfe zur Läuterung und zur Erneuerung des Lebens der Taufe erkannten. Anderseits konnten solche Zeiten und Werke der Buße und der Besinnung auch eine tiefe Trauer verursachen. Es wuchs die Sehnsucht nach der vollen Gemeinschaft mit dem Herrn und seiner Kirche, die Sehnsucht, dass das Werk der Genugtuung bald ein Ende nehme. Durch die Fürbitte heiliger Menschen und durch die Verfügung des Bischofs konnte dieser Weg der Buße verkürzt werden. Die Buße, das Abtragen der Konsequenzen der Sünde, wurde gemildert. Dies ist mit einfachen Worten der Hintergrund für das Verständnis und die Praxis des Ablasses.

 

Von der Kirche begleitet

Im eben beschriebenen Sinn können wir zur Frage des Ab-lasses das Folgende festhalten: Der Ablass ist ein durch die Kirche erwirkter Gnadenerweis Gottes, um die Konsequenzen der Sünden zu mildern oder ganz zu tilgen. Durch den Ablass vermag der Mensch, der sich ­in der Beich­te mit Gott versöhnt hat, die Folgen der Sünden aufzuarbeiten und von neuem ganz in der Freiheit der Kinder Gottes zu leben (Vgl. Röm 8,21). Das meinen wir, wenn wir sagen, dass der Ablass uns von Sündenstrafen befreit. Wir überlassen uns damit ganz dem Herrn und seinem barm­herzigen Handeln. In dieser Gesinnung sollten wir den Ablass annehmen. Deshalb verknüpft der Heilige Vater Ablass und Jahr der Barmherzigkeit, wie wir es feststellen konnten, so stark miteinander: "Ein Jubiläum bringt es mit sich, dass wir auch auf den Ablass Bezug nehmen. Dieser gewinnt besondere Be-deutung im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit" (Misericordiae Vultus 22).

 

Durch unseren Erlöser ermöglicht

Der Ablass wird uns durch die Autorität der Kirche (Heiliger Vater, Bischöfe) gewährt. Das ist möglich, weil die Autorität der Kirche ihren Auftrag von Jesus hat. Von daher ist auch die Gewährung des Ablasses durch Papst Franziskus zu verstehen, ebenso die damit verbundenen Bestimmungen. Letzt­endlich geht alles von Gottes Barm­herzigkeit aus, die uns in Christus und durch sein Werk, die Kirche, geschenkt wird.

 

II. Wie leben wir den Ablass?

 

Im Schreiben von Papst Franziskus (Schreib­en von Papst Franziskus, mit dem zum Außerordentlichen Jubiläum der Barm­herzigkeit der Ablass gewährt wird) lesen wir: "Um den Ablass zu leben und zu erlangen, sind die Gläubigen aufgerufen, als Zeichen der tiefen Sehn­sucht nach wahrer Umkehr einen kurzen Pilgergang zur Heiligen Pforte zurückzulegen, die in jeder Kathedrale oder vom Diözesanbischof bestimmten Kirche und in den vier päpstli­chen Basiliken in Rom geöffnet wird".

 

Die Heilige Pforte durchschreiten   

Der Ablass im Jahr des Außerordentlichen Jubiläums der Barmherzigkeit ist mit dem Durchschreiten der Heiligen Pforte verbunden. Die Heilige Pforte ist nichts anderes als ein Zeichen für unseren Herrn Jesus Christus, der sich nicht nur der gute Hirt nennt (Joh 10,11), sondern auch die Tür: "Ich bin die Tür zu den Schafen ... Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden" (Joh 10,7.9). Diese Worte helfen uns, das Symbol der Heiligen Pforte zu verstehen und den zeichen-haften Akt des Durch­schreitens dieser Pforte in entsprechender Gesinnung zu vollziehen.

 

Zeichen und Symbole annehmen

Warum aber überhaupt ein Zeichen oder Symbol? Gott wirkt doch unmittelbar. Es braucht kein Dazwischentreten von Personen und Dingen. So denken viele Menschen und können mit den Zeichen und Symbolen wenig anfangen.

       Die Heilige Schrift macht uns darauf aufmerksam, dass Gott sich immer auch der Mittel von Zeichen bedient, um Heilung zu bewirken und geistliche Gaben zu schenken. Das Zeichen oder Symbol ist eine Herausforderung für unseren Glauben. Gott prüft unseren Glau­ben. Und Gott schenkt uns das Heil als Antwort auf unseren Glauben. Ein Beispiel liegt uns in der Geschichte der kupfernen Schlange vor (Num 21,4-9). Hätte Gott die Menschen damals nicht unmittelbar heilen können? War es notwendig, die Heilung über die kupferne Schlange zu gewähren: "Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben". Gott hat diesen Weg gewählt, um die Menschen zum Glauben zu führen. Ein anderes Beispiel ist das Handeln unseres Herrn an einem Blinden. Das Zeugnis des Geheilten lautet: "Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen" (Joh 9,11). Wir können uns fragen: Warum dieses umständliche Vorgehen des Herrn? Warum diese symbolische Handlung? Die Antwort kann nur lauten: "Weil es der Herr so wollte". Diese Beispiele helfen uns, auch das Symbol der Heiligen Pforte besser zu verstehen und es anzunehmen.­

 

Im Geist der Demut empfangen

Einen Ablass kann man fruchtbar nur im Geiste der Demut erlangen. Auch auf die Annahme dieser Gabe der Kirche lassen sich die Worte des Herrn anwenden: "Ame­n, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen" (Mk 10,1­5).

       Ich lade deshalb alle Gläubigen in unserem Bistum ein, in diesem Geiste den Ablass, diese besondere Gabe des Hei-ligen Jahres der Barm­herzigkeit, persönlich zu erlangen. Dazu gehört der von Papst Franziskus vorgeschriebene "Pilgergang zur Heiligen Pforte". Der Papst zählt sodann die weiteren Elemente auf, die zur Erlangung des Ablasses gehören. Es sind dies der Empfang des Sakraments der Versöhnung sowie die Mitfeier der heiligen Eucharistie. Hinzu kommt ein meditierendes Nachdenken über die göttliche Barmherzigkeit. Und weiter schreibt Papst Franziskus: "Es wird nötig sein, dass diese Feiern das Glaubensbekenntnis eben­so umfassen wie das Gebet für mich und für die Anliegen, die mir am Herzen liegen zum Wohl der Kirche und der ganzen Welt" ­(Schreib­en von Papst Franziskus, mit dem zum Außerordentlichen Jubiläum der Barm­herzigkeit der Ablass gewährt wird).

       Maria, die Mutter unseres Herrn, begleite uns mit ihrem Schutz und ihrem Fürbittgebet durch dieses Heilige Jahr. Ihr Titel der Mutter der Barmherzigkeit macht uns bewusst, wie sehr sie mit uns Menschen verbunden und für das Heil unserer Seelen besorgt ist. Damit wünsche ich allen ein fruchtbares Jubiläum der Barmherzigkeit und erteile dazu gerne meinen bischöflichen Segen.

        

                                                           + Vitus Huonder

                                                           Bischof von Chur

 

 

 

 

 

 

Wie erlangt man einen Ablass?

 

                

Das Handbuch der Ablässe (Città del Vaticano 2008) führt dazu unter Ablass-Normen auf den Seiten 22-23 folgendes aus:

 

19. Das zur Gewinnung eines vollkommenen Ablasses, der an eine Kirche oder eine Kapelle gebunden ist, vorgeschriebene Werk besteht im andächtigen Besuch*, bei dem das Gebet des Herrn und das Glaubensbekenntnis (“Vaterunser” und “Credo”) gesprochen wird, wenn nicht in der Gewährung anderes bestimmt ist.

 

20. § 1 Zur Gewinnung eines vollkommenen Ablasses sind die Verrichtung des mit dem Ablass versehenen Werkes und die Erfüllung folgender drei Bedingungen erforderlich: sakramentale Beichte, eucharistische Kommunion und Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters. Darüber hinaus ist das Freisein von jeder Anhänglichkeit an irgendeine, auch lässliche Sünde erforderlich. (...). § 3 Die drei Bedingungen können auch mehrere Tage vor oder nach dem vorgeschriebenen Werk erfüllt werden. Es ist jedoch geziemend, die heilige Kommunion und das Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters auf denselben Tag wie das Werk zu legen. (...). § 5 Der Bedingung, nach der Meinung des Heiligen Vaters zu beten, wird voll genügt mit dem Beten eines “Vaterunser” oder eines  ”Gegrüßet seist du, Maria” nach seiner Meinung; es ist jedoch den einzelnen Gläubigen freigestellt, ein beliebiges anderes Gebet zu sprechen, das der persönlichen Frömmigkeit und Verehrung entspricht.

 

______________________

 

* Im Jahr der Barmherzigkeit besteht das "vorgeschriebene Wer­k" im Durch­schreiten der Heiligen Pforte. Diese befindet sich im Bistum Chur in der Kathedrale Chur (Portal der Kathedrale).